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 DRK-Kreisverband Uckermark West/Oberbarnim e.V.
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Wer war Margarethe Hennig?
 

Zum zweiten Geburtstag unseres Altenpflegeheims bekam das Haus einen Namen, der für das Deutsche Rote Kreuz ebenso wie für das Personal Auszeichnung und Verpflichtung gleichermaßen in sich birgt: »Margarethe-Hennig-Haus«.

Margarethe Antonia Emma Hennig, geb. Pietschmann, wurde am 26. Februar 1896 in Lübben im Spreewald als fünftes Kind der Eheleute Pietschmann geboren. Schon sehr früh zeigte sich ihre humanistische Gesinnung - sei es im Spiel mit den Geschwistern oder mit anderen Kindern - stets wußte sie zu helfen, wenn jemand Kummer hatte. So war es nur folgerichtig, dass sie nach der Schulzeit einen Beruf ergriff, bei dem sie tätige Nächstenhilfe auch im Alltag verwirklichen konnte. Sie absolvierte 1911 - mit nur 15 Jahren - bereits eine Ausbildung als Schwesternhelferin beim Deutschen Roten Kreuz. Die Grundsätze des Roten Kreuzes - Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität - waren ihre eigenen und ganz besonders der Menschlichkeit fühlte sie sich sowohl privat als auch beruflich aus tiefster Seele verpflichtet.

Nach dem ersten Weltkrieg berief das Deutsche Rote Kreuz Margarethe Hennig als Schwesternausbilderin in die Sowjetunion. Hier bildete sie viele junge Menschen als Krankenschwestern und Schwesternhelferinnen aus. Dabei vermittelte sie das eigene Wissen genauso wie ihre humane Einstellung und die Grundsätze des Roten Kreuzes. In die Heimat zurück gekehrt, führte sie von 1924 bis 1928 das Kriegswaisenheim »Haus Sonnenblick« in Hohenlychen und versuchte, den Kindern, die im Krieg nicht nur die Eltern, sondern auch alle Angehörigen und das Dach über dem Kopf verloren hatten, ein neues Zuhause, neuen Lebensmut zu geben.
Von 1928 bis 1931 war sie als Oberschwester in der Heilanstalt Hohenlychen tätig, die damals die führende Klinik auf dem Gebiet der Sportmedizin war. 1931 heiratete sie Werner Hennig, die Familie baute in Hohenlychen ein Haus und 1935 kam der Sohn Dieter zur Welt. Nun kümmerte sich Margarethe Hennig um den kleinen Sohn, um die Familie und um Haus und Hof.
1939 bricht der zweite Weltkrieg aus und Margarethe Hennig fühlt sich verpflichtet, ihre Tätigkeit als Rot-Kreuz-Schwester wieder aufzunehmen. Sie arbeitet im Lazarett in Hohenlychen, in dem vorwiegend Patienten mit schlimmen Kriegsverletzungen liegen. Weder Blutkonserven, Antibiotika, Penicillin noch schmerzstillende Mittel standen damals zur Verfügung - nur liebevolle Fürsorge und gute Worte. Aber gerade daran ließ es Margarethe Hennig den ihr anvertrauten Patienten nicht fehlen. Nächtelang saß sie an den Betten der Frischoperierten, wechselte Verbände, hielt ihre Hand, sprach ihnen Mut zu und linderte ihre Schmerzen mit den wenigen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen. Bald schon wurde sie »der Engel von Hohenlychen« genannt - unermüdlich war sie immer da, wo sie am meisten gebraucht wurde, für jeden hatte sie ein gutes Wort, stets war sie mehr um das Wohl ihrer Patienten bemüht als um das eigene - sie bewältigte über viele Jahre hinweg seelische Schwerstarbeit und wurde dabei nicht müde.
Während ihrer Arbeit im Lazarett lernte Margarethe Hennig die Berlinerin Else Quast kennen, die in Hohenlychen zwangsverpflichtet war. Gemeinsam fanden die beiden Frauen Wege, die im Panzerwerk Berlin unter unmenschlichen Bedingungen schwer schuftenden Kriegsgefangenen und Zwangsdeportierten aus ganz Europa, sowie in Berlin versteckte Juden mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung zu versorgen. Margarethe Hennig verhalf gemeinsam mit ihrem Mann mehreren französischen Kriegsgefangenen, die im Holzsägewerk Barnewitz arbeiten mussten, zur Flucht, und viele Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück, die täglich nach Hohenlychen zur Arbeit gefahren wurden, haben nur überlebt dank der tätigen Hilfe von Margarethe Hennig. All das unter den wachsamen Augen der SS!
Während vielerorts in Deutschland feindliche Flieger, die den Absturz überlebten, der Lynchjustiz zum Opfer fallen, fährt Margarethe Hennig mit dem Sanitätswagen zu der nahe Lychen gelegenen Absturzstelle eines amerikanischen Flugzeuges - entgegen den eindeutigen SS-Befehlen. Einmal mehr setzt sie ihr Leben aufs Spiel, um andere Leben zu retten.
Als ganz Europa in Flammen steht, die Genfer Konvention von den Nazis mit Füßen getreten wird, Kriegsgefangene gefoltert und zu Tode gequält werden und die halbe Welt sich im »Wegsehen« übt, setzt sich Margarethe Hennig Tag für Tag und Jahr um Jahr unermüdlich für die Schwachen, Hilflosen und Kranken ein - lebt und arbeitet im Verborgenen nach ihren moralischen und humanistischen Grundsätzen und denen des Roten Kreuzes.
Umso unbegreiflicher ist ihr schreckliches Ende. Als die Rote Armee am 1. Mai 1945 in Lychen einmarschiert, wird Margarethe Hennig von russischen Soldaten in ihrem Haus in Lychen überfallen. Sie kann noch um Hilfe rufen und zwei Lehrer der nahe gelegenen Pannwitz-Schule folgen diesem Ruf. Sie werden von Rotarmisten erschossen. Margarethe Hennig wird vor den Augen ihrer Mutter und ihres damals 9-jährigen Sohnes gequält, vergewaltigt, mit einem Kopfschuss ermordet und in einem Massengrab auf dem Hohenlychener Friedhof verscharrt.
Sie war eine mutige Kämpferin gegen das Unrecht und hat stets ohne viele Worte geholfen, wenn Hilfe nötig war. In einer Zeit, als sich die meisten Menschen nur um sich selbst gekümmert haben, hat sie Leben gerettet und immer nach ihren humanistischen Grundsätzen gehandelt. Dennoch ist sie in Vergessenheit geraten und die Vorgänge um ihren Tod sind nie geklärt worden.
Nun soll unser Altenpflegeheim ihren Namen tragen, damit Margarethe Hennig niemals in Vergessenheit gerät.

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